Um gewisse Mechanismen inerhalb einer gesellschaftlichen Struktur aufrechtzuerhalten, muss auf soziale Abweichler immer und überall Druck ausgeübt werden- da davon ausgegangen werden kann, dass 95% aller Menschen mehr oder weniger als Mitläufer agieren und die restlichen 5% ihr Leben lang Schwierigkeiten damit haben, ihren individuellen Lebensweg mit der Gewissheit durchzuziehen, genau so viel wert zu sein und genau so viel Recht auf Respekt und Menschlichkeit zu haben wie die Mehrheit, ist Druck von außen ein hervorragendes Mittel, um konformes Verhalten herbeizuzwingen.
Denn die Mehrheit fürchtet die Ehrlichkeit und den Mut der Minderheit und wird alles versuchen, um die Minderheit davon zu überzeugen, unwert zu sein.
Da weiße Männer die privilegierteste Gruppe auf diesem Planeten sind, sind sie diejenigen, die den meisten direkten oder indirekten Druck auf andere Gruppen ausüben- bei dieser Machtausübung kommt ihnen zu guten, dass viele unterprivilegierte Individuen wie farbige Männer oder farbige/weiße Frauen oft dazu bereit sind, sich selbst Steine in den Weg zu legen, um sich beim weißen Mann anzubiedern. Da diese Individuen aber de facto keine Macht haben und sich durch ihr unterwürfiges Verhalten selbst keine Macht verdienen, sind sie selbst nur Instrumente der Unterdrückung- ihre Abhängigkeit von ihren Herren ist quasi total.
Daher kommen all die netten Erpressungs- und Kleinhaltungsversuche, die gegen individualistische und unabhängige Frauen angewandt werden- oft sogar von Frauen selbst.
Denn: eine individualistische und unabhängige Frau bildet eine Minderheit, sie hat es geschafft, ihren Geist vom kranken Einfluss der selbstauferlegten Hilflosigkeit zu befreien- man(n) hat ihr zwar von Kindesbeinen an versucht beizubringen, dass sie nichts taugt und dass ihr einziges Ziel im Leben der Mann sein soll, doch im Gegensatz zu ihren Geschlechtsgenossinnen hat sie diesen Märchen nie gegelaubt und immer darüber gelacht. Wenn andere Frauen sich selbst dumm stellten, um die Männer zu besänftigen, wusste sie nicht, was der ganze Mist sollte.
Doch irgendwann kommen die Anschuldigungen und Vorwürfe, welche dazu dienen sollen, widerspenstige Frauen handzahm zu machen.
1. Wenn du das tust, wird dich niemand mehr leiden können.Eine Frau soll keine Person durch sich selbst sein, sondern nur durch Bestätigung von außen. Wenn du eine Frau bist und dir die Meinung anderer, vor allen Dingen derjenigen, von denen du weißt, dass sie immer den Weg des geringsten Widerstandes gehen, vollkommen gleichgültig ist, soll dein stärkstes Anliegen sein, dich bei diesen Personen anzubiedern. Es ist also wichtiger, dass Menschen, von denen du weißt, dass sie mehr Vorurteile als eigenes Gehirn haben, dich mögen als dass du dich selbst magst.
2. Du bist egoistisch.Es ist sehr einfach egoistisch zu sein:
Handle nicht so, wie es andere von dir gerne hätten.
Habe eine eigene Meinung.
Liebe dich so wie du bist.
Sage "Nein", wenn du dich nach "Nein" fühlst.
Sei ehrlich.
Von Frauen wird hier unmenschliches verlangt: Anpassung an die Außenwelt durch Verleugnung des eigenen Seins, durch Verzicht auf den eigenen Geist, durch Verzicht auf Selbstliebe, durch Lügen und Heimlichtuerei. Das verlangt unsere patriarchalische Gesellschaft noch nicht einmal von Tieren- dementsprechend ist das Leben eines Tieres mehr wert als das einer Frau.
3. Du bist selbst schuld.Eine Frau ist das Schlechte in Person, deshalb ist der Mann immer der Unschuldige- auch im Vergleich zu einem männlichen/weiblichen Kind, wobei das männliche Kind noch eher für unschuldig gehalten wird als das weibliche, denn schließlich sind siebenjährige Mädchen kleine Lolitas und Verführerinnen, die von den erwachsenen Männern unheimlich gerne im Kinderzimmer missbraucht werden wollen.
Mann vor Gericht:"Sie wissen doch, wie provozierend sich die kleinen Mädchen von heutzutage verhalten. Tragen schon mit fünf Jahren Minirock und bauchfrei, obwohl sie wissen, was das für Auswirkungen auf uns Männer hat. Wir sind nun einmal Jäger und genetisch dazu veranlagt, auf visuelle Reize schnell und effizient zu reagieren- diese Schlampen von Mütter bringen ihre Kinder unnötig in Gefahr, wenn sie diese dermaßen verfüherisch (sabber) ausstaffiert auf der Straße herumstolzieren lassen. Und die Mädchen lernen schnell, wie sie einen Mann der Vergewaltigung bezichtigen und aus Rache vor Gericht ziehen können- diesem kleinen Gör habe ich nur einen Lutscher verweigert und sehen Sie nur, wo ich jetzt sitze! Auf der Anklagebank!
Richter:"Gibt es irgendwelche Zeugen?"
Mann:"Natürlich nicht- sie hat mich in eine verlassene Seitengasse gelotst, ohne, dass ich es bemerkt habe."
Richter:"Ja, diese Kinder von heutzutage..."
Die gleiche Version mit einem männlichen Kind:
Mann vor Gericht:"Ich plädiere auf unschuldig:"
Richter:"Jetzt hören Sie mal zu, Sie abnormale widerliche Entschuldigung für einen Mann! Seit sie es gewagt haben diesen armen Jungen auf die verwerflichste Art und Weise zu missbrauchen, wie es sich nur denken kann, ist er ein psychisches Wrack. Wie soll er nur je wieder eine vertrauensvolle Bindung zu einem anderen Menschen aufbauen, vor allen Dingen zu einer Frau! Von den allgemeinen sozialen und beruflichen Problemen ganz zu schweigen!"
Mann:"...":
Richter:"Wenn das Gesetz mir keine Grenzen aufzeigen würde, kämen sie lebenslänglich hinter Gittern."
Meistens bleiben jedoch Kinder beiderlei Geschlechts auf der Strecke, denn schließlich werden sie dank unserer weitreichenden patriarchalischen Tradition als Eigentum des Mannes empfunden, der mit seinem Eigentum verfahren kann, wie er will- es ereignete sich schon manch eine Tragödie, in denen Männer ihre nacheinander gezeugten Kinder der Reihe nach vergewaltigten und keiner sich einen Dreck drumscherte, weil es ja seine Kinder waren. Hätte er es gewagt sich an den Kindern eines anderen Mannes zu vergreifen, wäre dies Missbrauch fremden Eigentums und verwerflich bzw. bestrafenswert gewesen.
Den Opfern und nicht den Tätern alle Schuld zuzuschieben- schon allein die Gewissheit mancher Trottel durch Herabwürdigung der Opfer eine bessere Situation für alle herbeizwingen zu wollen, ist paradox- ist die typische Reaktion einer Gesellschaft, die Täter schützen und Opfer zum Schweigen bringen will. Und zwar, weil die Täter meistens Männer und die Opfer meistens Frauen und Kinder sind.